Unser dritter Filmabend „Back to Africa“ lockte erneut viele Zuschauer in die Kulisse Ettlingen. Hauptdarsteller des Films sind afrikanische Künstler aus André Hellers Show „Afrika!Afrika!“. Die Show hatte 2005 Premiere in Deutschland und zeigt bis heute eine energiegeladene Mischung aus afrikanischem Tanz, Musik und Akrobatik. Faszinierend ist die Leidenschaft für Musik und Tanz in Afrika aber auch ihr unterschiedlicher Stellenwert. Der Musiker Tata Dindin bringt es mit folgendem Zitat auf den Punkt: „Hier in Afrika ist Musik Kultur und Tradition, Teil unseres gesellschaftlichen Lebens und Alltags. In Europa ist sie kommerziell. Aber auch wenn ich in Europa auftrete, spiele ich immer so, als würde ich für meine Leute spielen. Wenn man lange in Europa ist, kann man viel von seiner Seele als Afrikaner verlieren.“

Der Film nimmt uns mit hinter die farbenfrohen Kulissen. Die Künstler sind oft monatelang für Proben und Aufführungen in Europa unterwegs und von ihren Familien getrennt. Das Filmteam begleitet sie bei ihren kurzen Reisen in die Heimatländer Gambia, Elfenbeinküste, Senegal, Kongo und Ghana. Obwohl die Einkünfte der Künstler den Lebensunterhalt ganzer Familien sichern, wird immer wieder deutlich, wie belastend die Situation der Trennung von Ehepartnern, Kindern und Eltern ist.

Die Künstler haben in ihren Heimatländern verschiedene Projekte initiiert, als berufliche Perspektive nach ihrem Engagement bei Afrika!Afrika!. Hier entstehen auch für anderen Menschen Arbeitsplätze, z.B. in einer Akrobatikschule, einer Tanzschule und einem Bestattungsunternehmen mit ausrangierten europäischen Leichenwagen. Das Ziel ist für die Darsteller klar: „Back to Africa“, zurück in die Heimat und zur Familie.

Filmabend AK Asyl Back to Africa

Für die Gesprächsrunde nach dem Film hatten wir an diesem Abend 3 Gambier aus den Ettlinger Gemeinschaftsunterkünften eingeladen, die von der Situation in ihrem Heimatland und ihrer Flucht berichteten.

Gambia wurde 22 Jahre lang von Präsident Jammeh regiert. Während seiner Amtszeit herrschten Willkür und staatliche Gewalt, das wirtschaftliche System ist bis heute am Boden. Im Dezember letzten Jahres wurde er in demokratischen Wahlen abgewählt. Zunächst weigerte er sich, das Wahlergebnis anzuerkennen, auf Druck der Nachbarstaaten verließ er das Land jedoch im Januar 2017. Seither ist der Geschäftsmann Adama Barrow Präsident.

Barrow tritt ein schweres Erbe an, da sowohl das Parlament als auch ein Großteil der offiziellen Posten noch von Gefolgsleuten Jammehs besetzt sind. Neuwahlen des Parlaments sind dringend notwendig aber selbst dann ist nicht garantiert, dass Barrow seine Reformen durchsetzen kann, denn die Staatskassen sind leer. Gambia ist dringend auf finanzielle Hilfe angewiesen aber auch hier muss Barrow zunächst die Altlasten seines Vorgängers beseitigen: Präsident Jammeh hatte sich mit vielen Entwicklungshilfegebern überworfen und erhielt in den letzten Jahren keine Unterstützung. Weitere Hintergrundinformationen finden Sie z.B. in diesem Artikel: http://www.dw.com/de/die-baustellen-des-adama-barrow/a-37567586. 

Die Aussichten auf Asyl waren für Menschen aus Gambia bereits vor den Präsidentschaftswahlen gering. Nach der Übernahme durch einen demokratisch gewählten Präsidenten, wird die Anerkennungsquote weiter zurückgehen. Völlig unklar ist jedoch, ob es der neue Präsident schafft, dauerhaft gegen Menschenrechtsverletzungen vorzugehen und ein stabiles demokratisches System zu etablieren.

Verschärfend kommt hinzu, dass abgelehnte Asylbewerber aus Gambia im Fokus bei Abschiebungen stehen. Die Behörden in Deutschland stehen unter Druck, da die Kriminalitätsrate bei Drogendelikten unter Gambiern überdurchschnittlich hoch ist. Umso wichtiger ist es trotz allem, die Verfahren fair und transparent zu halten und die Einzelfälle zu bewerten. In diesem Zusammenhang erschien in der Badischen Zeitung ein lesenswerter Artikel: http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/warum-viele-fluechtlinge-aus-gambia-nach-suedbaden-kommen–130508495.html.  

Filmabend AK Asyl Back to Africa

Damit Sie noch etwas von der musikalischen Stimmung des Abends mitnehmen können, hier zwei Links zu Musikvideos afrikanischer Interpreten. Tata Dindin Jobarteh ist einer der Darsteller aus dem gezeigten Film. Vielen Dank Ibrahim fürs Zusenden der Links! 

Wir danken Ihnen für Ihre Spenden und hoffen, Sie auch bei unserem nächsten Filmabend im Juli begrüßen zu dürfen. Der nächste Film wird sich mit dem Thema illegaler Aufenthalt in Deutschland beschäftigen.